Die Ankündigungen der Veranstalter zum art meeting kündigen mich in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Vorsitzender des Landesverbandes Galerien in Baden-Württemberg an. Gerne möchte ich diese mir zugewiesene Rolle aufgreifen und in dieser Eigenschaft über die Aufgaben der Galerien im Kunstbetrieb sprechen, dabei aber auch den Landesverband als berufsständische Vertretung der Galeristen in Baden-Württemberg vorstellen.
Vielleicht sagen Sie sich: Galerist wird man aus Begeisterung an der Kunst. Und die Begeisterung haben wir. Wozu brauchen Galeristen, diese individuellen Einzelkämpfer, denn überhaupt einen Berufsverband ? Wie in anderen Bundesländern auch (in Hessen, Rheinland-Pfalz, Berlin und in Bayern) wurde 1995 in Baden-Württemberg ein Landesverband gegründet, der sich unabhängig vom Bundesverband Deutscher Galerien, dem BVDG mit Sitz in Köln, als berufsständische Interessenvertretung auf Landesebene für die Belange der Galerien im allgemeinen, speziell aber der in Baden-Württemberg einsetzt.
Er will einmal Öffentlichkeitsarbeit leisten durch gemeinsame Aktivitäten, durch einen gemeinsamen Internetauftritt und damit auf die Ausstellungen in den Galerien hinweisen. Ein erklärtes und ein besonders wichtiges Ziel unseres Verbands ist das Einschreiten gegen die strukturell bedingte Unterbewertung der Galerien. Absicht ist es, Aufklärungsarbeit zu leisten über das Berufsbild und die Aufgaben der Galerien für die Gesellschaft und die Kultur des Landes. Die Öffentlichkeit und die Politik haben sich bisher nur wenig um ein Verstehen dieser zumeist kleinen Kulturbetriebe gekümmert. Dies ist sicher auch schwer, da jeder Galerist – wie ein Künstler – ein gestalterischer wie wirtschaftlicher Individualist ist.
Lassen sich mich den Landesverband in Baden-Württemberg, seine Mitglieder als Leitfaden nehmen. Die 41 Mitgliedsgalerien im Landesverband der Galerien in Baden-Württemberg sind nur eine Auswahl der in Baden-Württemberg arbeitenden Galerien. Man darf dort sicher von der vier bis fünffachen Zahl an Galerien ausgehen. Diese Galerien sind also nur die Spitze, wenngleich eine gute Spitze des Eisbergs. Denn für die Aufnahme in den Verband müssen Richtlinien erfüllt werden, die an die Anzahl der von der Galerie geleisteten Ausstellungen, oder an die Öffnungszeiten gestellt werden. 41 Mitgliedsgalerien bedeuten 41 verschiedene Galerieporträts, 41 verschiedene Visionen und Vermittlungsansätze, 41 unterschiedliche Ausstellungsprogramme. 41 völlig verschiedene berufliche Entwicklungen, berufliche Ziele und Erfolgsrezepte. Schon 41 Galerien bedeuten aber auch die Vertretung von etwa 1000 Künstlern, Arbeitsplätze für durchschnittlich 3 Mitarbeiter, Ausstellungstätigkeiten auf etwa 12000 m² Galeriefläche. Diese 41 Galerien werben für sich, für die Künstler und für die Kunstregion Baden-Württemberg auf nicht weniger als 17 verschiedenen internationalen Kunstmessen in insgesamt 8 Ländern.
Alle im Verband organisierten Galerien in Baden-Württemberg bieten auch im Internet unter www.galeriebesuch.de einen Service an, mit dem sich die Kunstfreunde über Ausstellungstermine, über die einzelnen Galerien und deren Programm informieren können. Sie können sich dort nicht nur einen Überblick verschaffen über die Ausstellungen der Galerien in Baden-Württemberg. Wir sind zur Zeit dabei eine Suchmaschine einzurichten, die dem virtuellen Besucher aufzeigt, welche Künstler und mit welchen Kunstwerken in welchen Galerien ausgestellt sind.
Galerien legen ein Netzwerk aktiver Kulturarbeit über das Land. Es sind Orte, an denen Menschen ihre kulturelle Identität erfahren, pflegen und entwickeln können. Galerien sind aber auch Orte, die unsere Innenstädte beleben, auch abends und am Wochenende, wenn die anderen Geschäfte geschlossen sind. Und Galerien sind Orte, die Menschen aus anderen Städten, Regionen und Ländern anziehen.
Es sind Orte, an denen sich Menschen mit den Werten und Fragen unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Es sind Orte des Gesprächs, an denen man sich nicht nur visuell, wie vielfach in Museen und Kunstausstellungen, sondern auch im geistigen Austausch, in der Diskussion oder im Streitgespräch mit dem Galeristen und seiner Kunst auseinandersetzen, sich beim Erwerb des ersten Kunstwerks, bei der Zusammenstellung der Sammlung beraten lassen kann.
Das sind Aspekte, die sich kaum in volkswirtschaftlichen Größen berechnen lassen. Kunst und Kultur sind dann die berühmten weichen Standortfaktoren.
Für die Gesellschaft aber sind Galerien darüber hinaus noch mehr: Galeristen sind Entdecker und Visionäre, Spürnasen und Marktmacher. Galerien, die sich der zeitgenössischen Kunst verschrieben haben, leisten einen erheblichen Beitrag zur Förderung der Kunst und der jungen Künstler – und zwar nicht nur ideell, sondern auch finanziell in einer von außen oft nicht vorstellbaren Größenordnung. Sie leisten unersetzbare Arbeit, wie Regisseure, aber auch wie Produzenten oder Verleger. Ausstellungen machen heißt, Künstler und ihre Werke bekannt zu machen und – im besten Fall – im Kunstmarkt durchzusetzen. Ohne Promotion geht es nicht. Dies verlangt den Galerien ein erhebliches Durchhaltevermögen und hohe Investitionen ab.
Und Galerien öffnen den Blick auf die Kunstszene anderer Länder.
Die Fachliteratur nennt Galerien „Gatekeeper“ des Kunstmarkts. Angesichts der Vielfalt der Kunststile und der großen Zahl bildender Künstler wirken sie der Unübersichtlichkeit des Marktes entgegen, und zwar durch die qualitative Auswahl der Künstler, die sie präsentieren. Galeristen sind nicht nur Markteinführer, sondern auch Marktmacher und Promoter, Preisberater, Verleger und Ausstellungsträger. Galerien sind also nicht nur wichtig als Erstaussteller der Künstler, sie erhalten durch Dauer und Umfang ihrer weiteren Tätigkeit Definitionsmacht für Stilzuschreibung und Preise. Sie stehen damit für die Dauerhaftigkeit der Künstlerförderung und des Handels und für die Beständigkeit der mit der Kunst verbundenen Vermögens- und Buchwerte, die Kunstwerke aus Sicht von Künstlern und Sammlern auch darstellen. Galeriearbeit kann durch öffentliche Museumsarbeit nicht ersetzt werden. Während es durchaus ein gemeinsames Ziel von Galerien und Kunsthallen ist, neue tragende Trends auszumachen und Künstlerpersönlichkeiten zu fördern, unterscheiden sie sich voneinander doch in einem wesentlichen Punkt. Ausstellungen in Kunstvereinen oder Kunsthallen sind in der Regel einmalig und haben mit ihrer lokalen und zeitlichen Beschränkung nur einen begrenzten Effekt.
Galerien legen in der Regel ihre Künstlerförderung langfristiger und überregionaler an, als dies Kunstvereine oder Kunsthallen mit ihren Ausstellungen leisten können. Stellen Künstler in Galerien aus, sind sie der Öffentlichkeit und den Sammlern bleibend zugänglich, denn sie sind auch außerhalb von Ausstellungen ständig vertreten. Galerien sind überregionaler ausgerichtet und für diese Aufgaben durch die Arbeit nach außen, wie Messen und Werbung, besser aufgestellt.
Wie kann dieses besser veranschaulicht werden als hier auf der Kunstmesse in Karlsruhe? Nimmt man sich den Katalog der Karlsruhe Messe zur Hand, stellt man fest, dass die 155 Aussteller etwa 1100 Künstler für die Besucher ausgewählt haben. 204 Künstler und Künstlerinnen sind in One-Man, bzw. One-Woman-Shows mit mehreren Arbeiten und damit umfassend repräsentiert. Viele Künstler sind an mehreren Ständen vertreten. Preisvergleiche sind für die Besucher möglich gemacht. Ohne die Aussteller, die Galerien geht dieses nicht. Künstlermessen, d.h. Messen, auf denen sich diejenigen Künstler selbst präsentieren, die nicht durch Galerien vertreten sind und auf diese Weise einen direkten Kontakt zum Sammler suchen - etwa bei der im vergangenen Jahr in Stuttgart veranstalteten so genannten Künstlermesse - bleiben wohl eher eine Ausnahme und sind meines Erachtens keine adäquate Alternative. Ich stehe zu der Behauptung, dass Galerien also einen besonders großen, wenn nicht den größten Teil der Kunstförderung übernehmen, ganz besonders im Bereich der zeitgenössischen Kunst, und dabei durch keine anderen öffentliche Institutionen zu ersetzen sind.
Durch die Globalisierung der Märkte, durch die Informationsüberflutung, Marktvergrößerungen und Konkurrenten aus einem internationalen Markt, ist die Arbeit der Galerien in der heutigen Zeit notwendiger denn je, aber auch teurer, langwieriger und ungleich schwerer geworden.
Und wir wollen nicht verhehlen, dass wir mit Sorge betrachten, dass sich zwar die internationalen Kunstmärkte in den letzten Jahren mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten hervorragend entwickelt haben, der deutsche Kunstmarkt seit Jahren einem entgegen gesetzten Trend folgt. Seit 1990 steht der gesamte deutsche Kunstmarkt, zu denen die Kunsthandlungen, die Auktionshäuser und die Galerien zählen, in einer kritischen Phase. Betrachtet man die Galerien muss man feststellen, dass von den in Deutschland arbeitenden Galerien nach Informationen des BVDG 30 % der Galerien bereits in den in den siebziger Jahren existent waren. 40 % der heute arbeitenden Galerien wurden zwischen 1980 und 1990 gegründet und in den neunziger Jahren nur noch 12,5 %. Es ist also eine gefährliche Tendenz. Die Zahl der Galerieneugründungen nimmt demnach rapide ab.
Dieser Trend ist nicht dadurch entstanden, dass selbstverständlich auch die Galerien in den letzten Jahren von einer allgemein für den Einzelhandel geltenden Kaufzurückhaltung betroffen waren. Es wäre zu verkürzt in dieser Marktschwäche die alleinige Ursache zu sehen. Die Galerien, der Kunsthandel ganz allgemein in Deutschland leiden sehr unter den gravierenden Wettbewerbsnachteilen, die Folge der nationalen Gesetzgebung sind. Höhere Steuersätze, Schwierigkeiten bei der Teilwertabschreibung, Abgaben für die Künstlersozialkasse und immer noch die partiellen Nachteile durch das Nachfolgerecht schaffen erhebliche Wettbewerbsnachteile im Vergleich zu Kollegen z.B. aus England, Holland, Belgien, Österreich, vor allem aus der Schweiz oder den Vereinigten Staaten. Ich will hier nicht ins Detail gehen. Aber einige Beispiele möchte ich Ihnen geben: Allein die Abgaben für die Künstlersozialkasse, die gerade junge Galeristen trifft, die Werke aus dem Atelier des Künstlers kaufen und verkaufen, betrug in den letzten 5 Jahren zwischen 3,6 und 6,8 % und bedeutet zusätzlich ein erheblicher Verwaltungsaufwand. Mit der Künstlersozialkasse werden nicht nur Bildende Künstler sondern auch andere kreativ Schaffende wie Schriftsteller, Musiker, Journalisten und Schauspieler versichert. Dabei werden alle Verwerter, die Honorare an diese freiberuflichen Künstler zahlen, sozusagen als Arbeitgeber zur Künstlersozialabgabe verpflichtet. Es wird niemand bestreiten wollen, dass es sich dabei grundsätzlich um eine sinnvolle Sozialversicherung für freie Künstler handelt.
Es erhebt sich nur die Frage, wer für diese Sozialversicherung aufzukommen hat, deren Nutzen zwar in beschränktem Masse auch die Verwerter, d.h. z. B. die Galerien, in der Hauptsache aber unsere Gesellschaft ganz allgemein hat. Für die Galerien hingegen bedeutet die derzeit vorherrschende ungebremste Zunahme dieser Abgaben zu große Belastungen. Aktuell, also zum Jahresbeginn, kommt es zu einer abermaligen Steigerung der Abgaben an die Künstlersozialkasse für die Galerien um 35 %. Und immer mehr Menschen genießen diesen Versicherungsschutz über die Künstlersozialkasse. Vor gut zwei Jahrzehnten waren es gerade mal 12000 Künstler, heute sind es bereits 130 000 Versicherte. Die Kosten wachsen dadurch kontinuierlich.
Für die Galerien sind die Grenzen der Zumutbarkeit schon längst überschritten. Gerade für die Galerien, die sich mit der zeitgenössischen Kunst beschäftigen und die besonders durch diese Abgaben betroffen sind, stehen diese Abgaben in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu den eigenen Umsatzerlösen. Galerien sind in der Regel Kleinbetriebe. Angaben aus dem Jahr 2002 zufolge erwirtschaften rund 22 Prozent der Galerien einen Umsatz von unter 125.000 Euro und 40 % einen Jahresumsatz zwischen 125.000 und 500.000 Euro sowie einen betriebswirtschaftlichen Gewinn von etwa neun Prozent. Die angeführten Abgaben nagen am Gewinn der Unternehmen. Galerien können wegen solcher Abgaben junge Kunst jedoch nicht teurer machen. Die Galerien, wie übrigens auch die Verlage, besonders die kleinen kreativen Verlage arbeiten so am Rande der Rentabilität. Das ist der Grund für den Rückgang der Galerieneugründungen.
Auch die Diskussionen über eine mögliche Aufhebung der reduzierten Mehrwertsteuer, die nun anscheinend nicht kommt, die als Thema aber immer wieder aufflackert, die Diskussionen der letzten Jahre über die Einführung einer Spekulationssteuer haben das ihrige dazu beigetragen.
Diese Diskussionen zeigen deutlich: Die Bedeutung der Galerien als Kulturbetriebe, deren Funktion und Aufgaben im öffentlichen Leben, die kulturellen Leistungen der Galerien werden unterschätzt und die finanzielle Leistungsfähigkeit deutlich überschätzt. Eine umfassende Einordnung dieses Berufsstandes mag schwierig sein, da jeder Galerist – wie ein Künstler – ein gestalterischer wie wirtschaftlicher Individualist ist. Statistiken über Umsätze, Arbeitsplätze und Renditen gibt es nicht. Das wird dadurch verstärkt, dass über das Berufsbild „Galerie“, den „Kunsthandel“ im Allgemeinen, dass über die wirtschaftlichen Aspekte im Vermitteln von Kunst ein Mantel des Schweigens gelegt wird. Daran haben wahrscheinlich die Galeristen selbst Anteil. Man wird Galerist, weil man die Kunst liebt, nicht weil man sich primär um kaufmännische Aspekte kümmert. Der gute Galerist redet über „seine Künstler“, aber nicht über sein Geschäft. Das Tabu von „Kunst und Kommerz“ – oft beklagt von Galeristen – scheint auch sie wider Willen in den Bann geschlagen zu haben.
Die Bundesregierung hat nun vor wenigen Wochen wenigstens den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Folgerechts beschlossen. Deutschland hat die EU-Richtlinie, nämlich Bildende Künstler künftig am Verkauf ihrer Werke zu beteiligen, jetzt in nationales Recht umgesetzt. Demnach erhalten Künstler, deren Werke hierzulande von Kunsthändlern, Galerien oder Auktionshäusern verkauft werden, bei einem Verkaufserlös zwischen tausend und 50.000 Euro eine Beteiligung von vier Prozent – auch bei jedem Weiterverkauf. Bis dahin hatten Künstler in Deutschland einen Anspruch auf ein fünfprozentige Beteiligung am Verkaufserlös, wenn ihr Kunstwerk für mehr als 50 Euro durch einen Kunsthändler weiterveräußert wurde. Ein kleiner gewonnener Vorteil dieser Neuregelung für die deutschen Kunsthändler ist, dass diese Abgaben nun auch die anderen Länder der Europäischen Union betreffen. Die Höhe beliebt weiterhin jedoch variabel, da Schwellenwerte in den einzelnen Ländern ungleich ausgestaltet sind – Österreich hält sich an die von der Europäischen Union vorgeschlagenen 3000 Euro als Eingangswert. Das schützt sinnvollerweise etwas die Galerien mit junger und zeitgenössischer Kunst, die unterhalb dieses Wertes liegen. Unterschiede bleiben aber immer noch bestehen. In England beziehen sich die Abgaben nur auf lebende Künstler, in Deutschland auch auf deren Erben. Neu ist die zusätzliche Einführung dieser Belastung beim Verkauf von Fotografie.
Nach wie vor besteht dieser Wettbewerbsnachteil gegenüber den Ländern, die nicht Mitglied der Europäischen Union sind. Was nützt es den Galerien und Kunsthändlern in Deutschland, wenn dieses Gesetz nur teilweise in den anderen europäischen Ländern greift? Wir unterstreichen in Europa dadurch nur die Standortvorteile für die Schweiz, vor allem den Kunsthandel in New York und damit der beiden großen internationalen Auktionshäusern.
Nutzen und Schaden dieser Abgaben stehen in keinem Verhältnis. Gegen das Folgerecht und deren gravierenden Folgen für die einzelnen Galerien sprechen die tatsächlichen Umsatzzahlen, denen ein erheblicher bürokratischer Verwaltungsaufwand durch die Galerien selbst und durch die Verwertungsgesellschaft gegenübersteht. Laut VG Bild-Kunst betrug der Folgerechtsertrag 2004 in Deutschland nur 2,7 Millionen Euro, im Jahr 2003 insgesamt 2,9 Millionen. Das sind - mit Verlaub - nur auf den ersten Blick große Beträge. Was dieses für ein Land wie die Bundesrepublik tatsächlich bedeutet, mag man daran ermessen, wenn man dagegenhält, dass im vergangenen Jahr zwischen Januar und November nur aus den Niederlanden Orchideen für mehr als den dreifachen Wert ( 8,9 Millionen Euro) importiert wurden. Ein Produkt übrigens mit ebenfalls reduzierter Mehrwertsteuer. Der Blumenimport in Deutschland allein beträgt 900 Millionen.
Auch die soziale Absicht läuft völlig ins Leere, da die Zielgruppe der mittellosen Künstler davon überhaupt nicht profitieren kann und der Löwenanteil am Folgerechtsaufkommen an die Erben einiger weniger etablierter Künstler geht. Fünf Prozent aller Künstler, heißt es, erhalten zusammen 75 Prozent der Folgerechtssummen.
Eine solche Regelung des Folgerechts wird nicht den Trend der Abwanderung des Kunsthandels nach Amerika stoppen oder umkehren.
Laut einer EU Statistik haben sich die internationalen Kunstmärkte, angeführt von den Vereinigten Staaten, zwischen 1997 und 2002 – so die Erhebung – mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten hervorragend entwickelt, während sich das Wachstum im deutschen Kunstmarkt im einstelligen Bereich sogar noch halbiert hat.
Was bedeutet das für uns? Angesichts der leeren Kassen der öffentlichen Hand sind eigentlich mehr und mehr Privatinitiativen gefordert. Die Kommunen, vor allem kleinere Städte streichen derzeit immer mehr finanzielle Mittel für die Kultur. Landauf, landab touren dort derzeit die Unternehmensberater durch kommunale Kultureinrichtungen, um deren Wirtschaftlichkeit zu prüfen und Gelder zu streichen. Man fordert mehr Privatinitiativen.
Die Galerien leisten sie. Ich sehe deshalb ein großes öffentliches Interesse, ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Wer die Aktivposten der Kulturarbeit nicht entlastet, sondern sogar unsinnig belastet, vertreibt die umsatzstarken Galerien aus Deutschland und fördert bei den deutschen Sammlern Käufe in den Galerien, mehr noch in den Auktionshäusern des Auslands. Der Anteil beträgt jetzt schon 20 %. Die Käufe im Ausland machen jedoch das kulturelle Leben in Deutschland ärmer.
Wo und wie verkauft sich heute die Ware Kunst? So wird im E-Mail Nr. 4 zum art meeting der ART Karlsruhe mein Referat angekündigt. Nach wie vor in den Galerien? In den Auktionshäusern? Oder besser auf den Messen?
Die internationalen Auktionshäuser setzen sich derzeit und unter den derzeitigen Vorzeichen voraussichtlich auch in Zukunft aus den vorher dargestellten Gründen immer mehr im Hochpreissegment durch. Das lässt sich darstellen. Die amerikanischen sehr viel deutlicher als die europäischen Häuser. Nach einer Erhebung der Britischen Art Market Federation für die European Fine Art Foundation im Jahr 2002 ging der durchschnittliche Verkaufspreis eines bei einer Auktion verkauften Kunstwerks in der europäischen Union von etwa 12.500 Dollar um 39 % zurück auf 6.700 Dollar, während der durchschnittliche Verkaufspreis der in den amerikanischen Auktion versteigerten Kunstwerke im Zeitraum zwischen 1998 und 2001 um 75 % von etwa 45.000 Dollar auf knapp 70.000 Dollar anstieg. Auch in der Schweiz stieg dieser Anteil aus gleichen Gründen um 24 % (von 9.000 auf über 10.000 Dollar).
In der Öffentlichkeit ist die Dominanz des Auktionsmarktes vor allem der beiden großen marktführenden Auktionshäuser durch die Berichterstattung in den Medien herausgestellt. Der Millionenverkauf ist schließlich medienwirksamer als die Tagesarbeit der Ausstellungen junger Künstler in den Galerien. Wie sind diese Relationen aber wirklich? Zur Künstlerförderung, das kann man feststellen, tragen die Auktionen allerdings kaum etwas bei. Wenn man sich als Beispiel die Auktionen des Auktionshauses Christies in London vom 6. – 9. Februar nimmt, so werden dort zwar in der Spezialauktion „German and Austrian Art“ Gemälde und Plastiken der deutschen Klassiker, der „Brücke-Künstler“ oder der Künstler des „Blauen Reiters“, Schiele, Klimmt, Nolde, Schlemmer zu beachtlichen Preisen angeboten, in den Sektionen der Nachkriegskunst und der zeitgenössischen Kunst findet man die Arbeiten von deutschen Künstlern nur mit wenigen und wenn dann auch hier nur mit etablierten und durchgesetzten Positionen, etwa bei Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke und bezeichnenderweise im steuerlich besonders schwierigen Fotografiesegment bei Andreas Gursky, Bernd und Hilla Becher. An der Entdeckung und an der Förderung junger Künstler beteiligen sich diese Häuser nicht. Sie fahren die Ernte dieser Vorarbeiten ein und können daher gesellschaftlich diese Funktion und Aufgabe nicht übernehmen.
Der Handel in diesem Hochpreissegment repräsentiert allerdings nur einen kleinen Teil des Kunstmarktes. Im deutschen Kunstmarkt allgemein stellt der „Mittelstandsmarkt“ mit Verkaufspreisen bis zu 5.000 Euro pro Kunstwerk rund 60 % des Galeriemarktes in Deutschland.
Studien und Zahlen zum derzeitigen Marktverhältnis zwischen Galerien und Auktionshäusern liegen in Deutschland aktuell nicht vor. In der FAZ vom 25. Februar 2006 wird jedoch von einer interessanten Studie des französischen Galeristenverbandes „Comité Professionel des Galeries d’Art“ berichtet, die die Lage und die Befindlichkeit der französischen Galeristen für moderne und zeitgenössische Kunst darstellen. Die mit dieser Studie erfassten knapp 800 Galeristen in Frankreich erbringen danach fast den fünffachen Umsatz der französischen Auktionshäuser mit moderner und zeitgenössischer Kunst.
Der Handel mit Kunst, das Führen der Galerie ist heute nicht nur durch diese Steuern und Abgaben mit sehr viel höheren Kosten verbunden.
Galerien sind heute nicht mehr erfolgreich zu führen, wenn sie ihre Aktivitäten nur auf eine Stadt, auf eine Region beschränken. Internetauftritte und vor allem die Beteiligungen an Kunstmessen, die Kooperation mit Ausstellungsunternehmen, die eigene Präsenz bei Sammlern sind wichtiger denn je.
Die Kunstmessen, die in dieser Ankündigung als weitere Alternative innerhalb des Kunstmarktes genannt sind, sind selbst Teil der Aktivitäten der Galerien und Kunsthandlungen. Für die meisten, jedenfalls für die guten Kunstmessen, ist die gute Galeriearbeit sogar eine Zulassungsvoraussetzung für die Messeteilnahme. Heute nehmen Messen einen nicht unbeträchtlichen Teil dieser Aktivitäten der Galerien ein. Sie sind – das werden die Messeveranstalter nun gerne hören – eigentlich heute unverzichtbar. Einer leider schon einige Jahre alte, dennoch wahrscheinlich noch zutreffende Erhebung des Instituts für Handelsforschung an der Universität in Köln „Branchenumfrage für Galeristen“ aus dem Jahr 2000 zufolge nahmen damals nur knapp 16 % an keiner Messe teil, während sich 18 % einmal und die Mehrheit von knapp 40 % zweimal jährlich an Kunstmuseen beteiligen. Nur wenige, d.h. 13,6 % beteiligen sich an 3, und jeweils 6,8 % an 4 oder gar 5 Messen im Jahr. Der durchschnittlich prozentuale Umsatz betrug nach diesen Untersuchungen hingegen bei den Beteiligten fast 30 % des Jahresumsatzes der Galerien.
Der Kurator und Projektleiter der Messe Ewald Schrade gibt in dem Werbeprospekt zur ART diesen Anteil mit 90 % an und liegt meines Erachtens damit erheblich zu hoch. Recht hat er hingegen, wenn er den kommunikativen Aspekt der Messen heraushebt, bei der es nicht nur um das Verkaufen geht, sondern um die Gespräche zwischen Galeristen und Kunstsammlern, zwischen Galeristen und Künstler, Galeristen und Museumsleuten.
Die Gesellschaft, auch die Wirtschaft braucht die Kultur. Sie braucht die Kreativen, die Künstler, den kulturellen Dialog. Und sie braucht die Galerien die diesen kreativen Humus bereiten. Bei allen Sorgen, die wir angesprochen haben, muss man jedoch abschließend anmerken:
Das Interesse der Bevölkerung an Kunst und Kultur und an den Galerien ist zurzeit ungebrochen. Es zeigt sich in den Städten am überwältigenden Erfolg von Aktionen, wie beispielsweise das Stuttgarter Galeriewochenende Art Alarm, an vergleichbaren Veranstaltungen in Freiburg, Karlsruhe oder Mannheim. Die Lange Nacht der Museen bringt jährlich in Stuttgart, Mannheim und Heilbronn mehr als 50.000 Menschen, meist junge Leute, auf die Beine. Die nächste Aktion dieser Art ist die Lange Nacht der Museen in Stuttgart am Samstag der kommenden Woche, am 18. März. An diesem Abend sind die Museen und Galerien von 19.00 bis 3.00 in der Nacht geöffnet. Es zeigt sich aber auch daran, dass eine neue Kunstmesse, wie die ART Karlsruhe, aus dem Stand heraus so viele Aussteller gewinnen kann und so viele Besucher anzieht.
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